Österreich
8. März 2006
Neues Volksblatt
Kultur
Finger auf die Wunden, die man nicht sehen will
Gottfried Helnwein zeigt im Linzer Lentos erstmals seit zwanzig Jahren seine Werke in Österreich -
Zu einer Zeit, wo Kindesmissbrauch noch nicht öffentlich diskutiert wurde, schuf Helnwein seine fast unerträglichen narbenverzierten Kinderporträts und Folterszenen, die heftigste Reaktionen — bis zur Beschlagnahmung und Zerstörung der Bilder — hervorriefen. Auch seine sich selbst nicht schonenden Selbstporträts sind „im kollektiven Gedächtnis der Österreicher“ verankert, wie Lentos-Chefin Stella Rollig betont. - Sie freut sich, „einen der prominentesten österreichischen Künstler in einer Fülle zu zeigen, wie man sie in seinem Heimatland seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hat“ —„ein Coup mit reicher Beute“.
„Schockkünstler“ - „Der Schocker von Wien“, „Blut-und-Narben-Maler“, „Gruselspezialist“: So lauteten einige der Attribute, mit denen Gottfried Helnwein seit seinem Senkrechtstart in den Siebzigerjahren bedacht wurde. Mit seinem scharfen Blick für seelische und physische Deformationen — gepaart mit altmeisterlicher Perfektion — legte er den Finger auf „die Wunden einer Gesellschaft, die keiner gern sehen will“, wie er im Pressegespräch vor der heutigen Vernissage seiner Ausstellung „Face it“ im Lentos erläutert. „Dabei wollte ich nie schockieren“, beteuert der Künstler, der heute in Los Angeles und Irland lebt, „eher ist es so, dass mich meine Umwelt schockiert hat. Denn es ist mir nie gelungen, Gewalt gegen Schwächere nicht wahrzunehmen, und die Kunst war meine einzige Chance, mich dem Thema zu stellen.“
Zu einer Zeit, wo Kindesmissbrauch noch nicht öffentlich diskutiert wurde, schuf Helnwein seine fast unerträglichen narbenverzierten Kinderporträts und Folterszenen, die heftigste Reaktionen — bis zur Beschlagnahmung und Zerstörung der Bilder — hervorriefen. Auch seine sich selbst nicht schonenden Selbstporträts sind „im kollektiven Gedächtnis der Österreicher“ verankert, wie Lentos-Chefin Stella Rollig betont.
„Im Lentos das beste Licht für meine Bilder“
- Sie freut sich, „einen der prominentesten österreichischen Künstler in einer Fülle zu zeigen, wie man sie in seinem Heimatland seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hat“ — „ein Coup mit reicher Beute“. Helnwein umgekehrt streut Rollig für ihren konsequenten Einsatz für die zeitgenössische Kunst Rosen und lobt das Lentos als die „beste Museumsarchitektur mit dem besten Licht für meine Bilder, das ich je erlebt habe“.
Motivische Leitlinie der Schau ist das menschliche Gesicht, ob in den obsessiven Verformungen früherer Werke oder in den zurückgenommeren Arbeiten der letzten Jahre, „die unsere eigene Erfahrung bereits mitkalkulieren, dass die alltäglichen Beschädigungen niemandem erspart bleiben“, so Rollig. Unter den 40 meist großformatigen Arbeiten sind alle Schaffensperioden vertreten, bis herauf zu Helnweins Marilyn-Manson-Porträts und der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit Österreichs. - Seit seiner Eröffnung konnte man im Lentos bei einer Presseführung nicht so viele Journalisten — auch von ausländischen Medien — wie gestern erleben. Ein Interesse, wie man sich das bei einem „Magnet“ wie Helnwein auch seitens der regulären Besucher für das Haus erhofft, so Kultur-und Tourismusreferent Erich Watzl. - -





nach oben